Eine IT-Migration ist kein Wochenendprojekt. Aber mit der richtigen Vorbereitung wird aus einem komplexen Vorhaben ein planbarer Prozess. Diese Checkliste gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Schritte – unabhängig davon, ob Sie Microsoft 365 ablösen, Ihre Cloud-Infrastruktur nach Europa verlagern oder auf Linux umsteigen wollen.
Migrations-Checkliste
Schritt für Schritt zur erfolgreichen Datenmigration – von Microsoft 365, AWS oder Google zu europäischen Open-Source-Alternativen.
Phase 1: Bestandsaufnahme
Bevor Sie irgendetwas migrieren, müssen Sie wissen, was Sie haben. Klingt offensichtlich – wird aber regelmäßig übersprungen.
- Software-Inventar erstellen: Welche Anwendungen sind im Einsatz? Lizenzen, Versionen, Nutzerzahlen dokumentieren.
- Datenmengen erfassen: Wie viel Daten liegen in OneDrive, SharePoint, Exchange, Google Drive oder AWS S3? Wo gibt es Duplikate?
- Abhängigkeiten identifizieren: Welche Systeme hängen voneinander ab? Active Directory, SSO, API-Integrationen, Makros, Plugins.
- Kosten dokumentieren: Aktuelle Lizenzkosten, Cloud-Ausgaben, Support-Verträge – alles in einer Tabelle zusammenfassen.
- Nutzungsverhalten analysieren: Welche Features werden tatsächlich genutzt? Oft sind es nur 20% der verfügbaren Funktionen.
- Stakeholder identifizieren: Wer muss eingebunden werden? IT-Leitung, Geschäftsführung, Betriebsrat, Key User.
Phase 2: Zieldefinition & Alternativenauswahl
Was genau soll die Migration erreichen? Ohne klare Ziele wird jede Entscheidung zum Bauchgefühl.
- Primäres Ziel definieren: Kostensenkung? DSGVO-Konformität? Digitale Souveränität? Vendor Lock-in beenden? Alles legitim – aber die Priorität bestimmt die Strategie.
- Open-Source-Alternativen evaluieren: Nextcloud statt OneDrive, Collabora statt Word Online, Element statt Teams, Keycloak statt Active Directory. Nicht alles passt für jede Organisation.
- Proof of Concept durchführen: Die neue Lösung in einer Testumgebung aufsetzen und mit echten Anwendungsfällen testen.
- Hosting-Modell wählen: Selbst betreiben (On-Premise), europäischer Cloud-Anbieter (Hetzner, IONOS), oder Managed Hosting? Jedes Modell hat Vor- und Nachteile.
- Budget und Zeitrahmen festlegen: Realistische Planung mit Puffer. Migrationen dauern fast immer länger als geplant.
- Rollback-Strategie definieren: Was passiert, wenn etwas schiefgeht? Der Plan B muss stehen, bevor Tag 1 beginnt.
Phase 3: Vorbereitung der Datenmigration
Die eigentliche Datenmigration beginnt lange vor dem ersten Datentransfer.
- Daten bereinigen: Veraltete Dateien, inaktive Konten und Duplikate vor der Migration entfernen. Weniger migrieren = schnellere Migration.
- Ordnerstruktur planen: Die alte 1:1 zu übernehmen ist selten sinnvoll. Jetzt ist die Chance für eine aufgeräumte Struktur.
- Berechtigungen dokumentieren: Wer hat Zugriff auf was? Diese Informationen gehen bei einer Migration leicht verloren.
- E-Mail-Migration planen: Exchange/Gmail zu Open-Source-Mailservern ist die technisch anspruchsvollste Datenmigration. Postfächer, Kalender, Kontakte, Regeln.
- Kommunikationsplan erstellen: Mitarbeiter frühzeitig informieren. Was ändert sich? Wann? Warum? Wo gibt es Hilfe?
- Schulungskonzept entwickeln: Nicht erst schulen, wenn das neue System live ist. Vorher beginnen, mit den Key Usern anfangen.
Phase 4: Pilotphase
Nie alles auf einmal. Immer zuerst mit einer kleinen Gruppe testen.
- Pilotgruppe zusammenstellen: 5–15 motivierte Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen. Mix aus technikaffin und weniger technikaffin.
- Parallelbetrieb einrichten: Alte und neue Systeme laufen gleichzeitig. Niemand verliert den Zugriff auf seine Arbeit.
- Feedback-Prozess etablieren: Tägliches kurzes Check-in in der ersten Woche, danach wöchentlich. Was funktioniert? Was nicht?
- Probleme dokumentieren und lösen: Jedes Problem ist eine Chance, den Rollout für alle anderen zu verbessern.
- Go/No-Go-Entscheidung treffen: Nach der Pilotphase ehrlich bewerten: Sind wir bereit für den breiten Rollout?
Phase 5: Schrittweiser Rollout
Abteilung für Abteilung, nicht Big Bang. Der Parallelbetrieb läuft weiter.
- Rollout-Reihenfolge festlegen: Welche Abteilungen zuerst? Normalerweise dort beginnen, wo der Leidensdruck am größten oder die Komplexität am geringsten ist.
- Datenmigration durchführen: Dateien, E-Mails, Kalender, Kontakte – in der geplanten Reihenfolge übertragen. Checksummen prüfen.
- Schulungen durchführen: Vor dem Umschalttag, nicht danach. Praxisnah, an den tatsächlichen Arbeitsabläufen orientiert.
- Helpdesk einrichten: Erste Wochen nach Umstellung: verstärkte Erreichbarkeit, kurze Reaktionszeiten, Geduld.
- Alte Systeme nicht sofort abschalten: Mindestens 2–4 Wochen Parallelbetrieb nach Umstellung. Sicherheitsnetz.
Phase 6: Nachbetreuung & Optimierung
Eine Migration ist kein Projekt mit Endtermin – es ist der Beginn einer neuen IT-Ära.
- Alte Lizenzen kündigen: Erst wenn der Parallelbetrieb beendet ist und alle Daten verifiziert sind. Fristen beachten.
- Erfolgsmessung: Vorher-Nachher-Vergleich der Kosten. Nutzerzufriedenheit erfassen. Was lief gut, was kann besser werden?
- Optimierungen umsetzen: Workflows anpassen, Automatisierungen einrichten, Performance tunen.
- Langfristigen Support sicherstellen: Internes Know-how aufbauen oder externen Support-Vertrag abschließen.
- Dokumentation aktualisieren: Neue Systeme, neue Prozesse, neue Ansprechpartner – alles dokumentieren.
Spezial: Microsoft 365 Migration Checkliste
Die häufigste Migration, die wir begleiten. Hier sind die spezifischen Punkte für den Wechsel von Microsoft 365 zu Open Source.
- OneDrive → Nextcloud: Dateien exportieren, Freigaben dokumentieren, Nextcloud-Client auf allen Geräten einrichten.
- Outlook → Thunderbird / SOGo: Postfächer (IMAP/EWS), Kalender (CalDAV), Kontakte (CardDAV) migrieren. Outlook-Regeln manuell übertragen.
- Word/Excel/PowerPoint → Collabora / LibreOffice: Dokumente auf Kompatibilität prüfen. Komplexe Makros und Vorlagen anpassen.
- Teams → Element / Mattermost: Chat-Historie exportieren (wenn möglich), Kanäle neu anlegen, Videokonferenz-Qualität testen.
- SharePoint → Nextcloud + Wiki: Intranet-Inhalte übertragen, Workflows neu aufsetzen, Suchfunktion testen.
- Azure AD → Keycloak / FreeIPA: Benutzerverzeichnis, Gruppen, SSO-Konfigurationen migrieren. Komplexeste Teilmigration.
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